Der Tuileriensturm vom 10. August 1792

Historischer Hintergrund 3

Mehrere Hundert Schweizer Gardisten und um die Tausend Angreifer starben am 10. August 1792 beim Sturm der Bevölkerung auf den Königspalast der Tuilerien in Paris – dem Symbol der absolutistischen Herrschaft und des Ancien Régimes.

Im August 1792 wurde die Lage für den französischen König Ludwig XVI immer bedrohlicher. Das Fass zum Überlaufen brachte der Aufruf des preussischen Oberbefehlshabers im Krieg gegen die revolutionären Franzosen, sich wieder ihrem König zu unterwerfen. Im Manifeste de Brunswick drohte er, falls Gewalt gegen die Königsfamilie und das königliche Palais des Tuileries angewendet würde, mit blutiger Vergeltung samt der Zerstörung von Paris. Für die aufgebrachte französische Bevölkerung und die Revolutionäre war es der Beweis, dass ihr König mit den Königen von Preussen und Österreich kollaboriere. Sie verlangten von der Nationalversammlung per 9. August seine Absetzung. Als das Parlament sich nicht entscheiden konnte, stürmten die bewegte Pariser Bevölkerung und die zur Revolution übergelaufene National-Gardisten am 10. August 1792 unter den Klängen der Marseillaise zum Tuilerienpalast.

  • Henri-Paul Motte, Affrontement entre les Suisses et les insurgées, 1892
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  • Jean Duplessi-Bertaux, Sturm auf die Tuilerien, 1793
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  • L. Bang und O. Lorch, Sturm auf die Tuilerien, 1889 (Ausschnitt)
    Monumentalgemälde, ehemals installiert im Oblichtsaal des Dioramas Alpineum, Luzern. Fotografie © Jürg Stadelmann, Büro für Geschichte, Kultur und Zeitgeschehen, Luzern
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König Ludwig XVI waren zu seinem Schutz nur noch die rund 900 Schweizer Gardisten geblieben. Der König und seine Familie waren frühmorgens am 10. August unter Geleit des Schweizer Garde-Kommandanten Karl Josef von Bachmann und 150 Schweizergardisten in die Nationalversammlung geflüchtet. Die zurückgebliebenen rund 750 Gardisten verteidigten an diesem Morgen unter dem Kommando des Luzerner Offiziers Jost Dürler diszipliniert den leeren Palast. Die Angreifer– je nach Quelle sollen es bis zu 40‘000 gewesen sein – drängten die Gardisten in den Palast zurück. Angesichts der näher kommenden Angriffssalven der Kanonen befahl der König der Garde, die Waffen niederzulegen. Daraufhin begaben sich einige Offiziere mit 200 Gardisten in die Nationalversammlung, wo sie entwaffnet wurden. Der Rückzugsbefehl erreichte jedoch nicht alle. Sie kämpften umringt von Eindringlingen weiter bis zum Tod.

"In all meinen Schlachten habe ich nie eine solche Anhäufung von blutbesudelten Leichen gesehen", soll Napoleon Bonaparte, Augenzeuge des Massakers vom 10. August 1972, später gesagt haben.

Die Niederlage der Gardisten fiel vernichtend aus. Mehrere Hundert Schweizer kamen ums Leben oder wurden vom Revolutions-Gericht zum Tode durch die Guilloutine verurteilt – wie auch der König selbst und seine Gattin, Marie-Antoinette. 389 überlebende Gardisten erhielten 1817 von der eidgenössischen Tagsatzung die Erinnerungsmedaille Treue und Ehre. Die Angaben zur Zahl der Toten auf beiden Seiten gehen weit auseinander. Je nach Quelle soll es auf Seiten der Pariser Bevölkerung und der Nationalgarde zwischen 600 und 4000 Tote gegeben haben.